Anna Lytton

 

Mirror

Another Season

Shell

Colours and Shapes

Black drawings

Animal portraits

 

About



Colours and Shapes
45 drawings and watercolours, 15 x 21 cm and 21 x 30 cm; hand-made book, 2016


Anna Lytton macht Zeichentrickfilme. Sie zeichnet Gedanken auf, oft zum menschlichen Körper, zum weiblichen Körper. Zu der reinen Darstellung dann Gedanken, wie wäre es wenn: plötzlich die Finger von der Hand abgetrennt sind, abfallen wie Laub von einem Baum, oder die Analogie von Körper und Baum, zu Wachsen und Erstarren, welche Bedeutung haben Wurzeln, solche Gedanken...

Jetzt diese Sammlung einzelner Blätter. In einigen Arbeiten erkennt man Bezüge zu Annas Filmen, doch stehen die meisten Zeichnungen für sich, treten eher untereinander in Bezug. Es sind beinahe alltägliche Notationen, Gedanken zu gerade Gesehenem weitergesponnen. Ein nackter Frauentorso geht oben über in einen Büstenhalter, der von einem Kleiderbügel gehalten wird. Der Bügel ist so platziert, dass er die Schultern der Frau ersetzt. Aus den roten Brustwarzen sprießen Blüten. Ein Gesicht mit zerfließenden Konturen, dessen Mund aus dem Bild fliegt. Ein zartes Blatt als Kleid einer Frau, dann in der nächsten Zeichnung direkt anstelle des Körpers gesetzt.

Man kann sich gut vorstellen, wie diese Notizen aufs Papier gekommen sind, wie die Zeichnung aus der Zeichnung wächst, ohne genaues Vorhaben, im losen Dialog von Auge und Hand. Wie die Beine einer Frau zu einer Art Korkenzieher verdreht sind, der Möglichkeit der Fortbewegung beraubt. Wenn das von ihr bevorzugt verwendete Magenta solange verdünnt wird, bis Hautfarbe entsteht. Derartige Assoziationsketten sind manchmal mit großer Sorgfalt gezeichnet, dass man an Abbildungen in alten medizinischen Büchern erinnert ist. Dann wieder geht Anna einfach der Bewegung des Pinselstrichs nach, lässt sich überraschen was auf dem Papier passiert, kommentiert manchmal mit einem kurzen Wort: "Bad idea" steht da in Schönschrift auf einer angefangenen Zeichnung.

Gerne lässt man sich auf die leichte Eleganz und die surreale Poesie in Annas Filmen ein, um erst dann die Brisanz der psychologischen Aussage zu erkennen. Ähnlich verhält es sich mit den Zeichnungen in diesem Buch. Es ist ein Genuss, Annas Zeichnungen der Zeichnung wegen zu betrachten, aber sie werden einen nicht in Ruhe lassen.

Raimund Krumme